past statements

Reihe:

15. Aug 22 — 25. Mär 24

Stadtraum München

Blick von seitlich unten am Siegestor hoch, die Sonne blitzt hinter der Bavaria oben auf dem Siegestor hervor. Gegen den blauen Himmel sind die überdimensionierten Tauben Spikes zu sehen

Blick auf die "Victory Spikes" von Steinbrener / Dempf & Huber auf dem Siegestor © Foto: Tobias Hase

Ein Projekt zur Auseinandersetzung mit Denkmälern, die aufgrund ihrer bisweilen gewaltverherrlichenden und ausgrenzenden Bildsprache fragwürdig geworden sind.

Denkmäler tragen Botschaften, die bis heute Bedeutung haben, oder sie transportieren bisweilen Inhalte, die längst überholt sind oder bewusst abgelehnt werden: Sie verherrlichen Krieg und Gewalt, feiern Held*innen vergangener Zeiten, transportieren Vorurteile und grenzen aus. Sie sind fragwürdig geworden.

Mit der Reihe „past statements. Denkmäler in der Diskussion“ knüpft München an die internationale und lokale Diskussion um diskussionswürdige Denkmäler an und regt kritische, vielstimmige und kreative Debatten über Formen und Inhalte des Erinnerns in einer diversen und demokratischen Stadtgesellschaft an. Das Programm ist eine Kooperation zwischen Public Art München und Public History München.

Es umfasst dezentrale Veranstaltungen an einzelnen umstrittenen Orten, künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum und das Forum „past statements – present futures“ (7. bis 9. Oktober 2022), eine internationale Veranstaltung in Kooperation mit dem Haus der Kunst.

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Podcast Folge vom 05. April 2023 der Monacensia München

„There are many ways to create memory“

Ein Gespräch über Denkmäler mit den beiden Künstlerinnen Manuela Illera und Michaela Melián. Beide haben im Münchner Stadtraum Kunstwerke geschaffen, die sich kritisch mit Denkmälern auseinandersetzen, Melián z.B. mit ihrer Arbeit „Maria Luiko, Trauernde“ der Reihe „past statements. Denkmäler in der Diskussion“.

Der Podcast entstand im Rahmen von Female Peace Palace, einem gemeinsamen Projekt der Münchner Kammerspiele und der Monacensia im Hildebrandhaus.

Link zum Projekt und zur Podcast Folge

Projekte

 

Michele Bernardi

Ein Ort für ein Wort. Ein Wort für einen Ort (Ein Zeitzeichen)

Orangefarbener Schriftzug "gestern" vor einem Fenster, auf dem sich das Fresko eines Hakenkreuzes befindet.Ein Ort für ein Wort. Ein Wort für einen Ort, 2022 © Foto: Michele Bernardi

seit 15. Aug 22

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Prinzregentenstraße 28, 80538 München (Karte ➚)

Der in München und Südtirol lebende Künstler Michele Bernardi hat sich mit drei Hakenkreuzen befasst, die in den Fenstern des historischen Gebäudes an der Oettingenstraße, das heute Sitz des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie ist, zu sehen sind. In einer künstlerischen Installation versah er diese Relikte mit den Worten „gestern“, „heute“ und „morgen“. Eine subtile Auseinandersetzung mit dem propagandistischen Erbe des Dritten Reiches und dessen Aufarbeitung in der Nachkriegszeit, der Gegenwart und der Zukunft.

Michaela Melián

Maria Luiko, Trauernde, 1938

Maria Luiko, Trauernde / 1938, 2022 © Foto: Tobias Hase

19. Sep 22 — 25. Mär 24

Alter Botanischer Garten, Elisenstraße, 80333 München (Karte ➚)

Der Neptunbrunnen wurde 1937 gebaut, um einen von nationalsozialistischer Ideologie geprägten Ort mit Anschluss an das NS-Parteienviertel zu erschaffen. Der Bildhauer Joseph Wackerle und der Architekt Oswald Bieber, die für die Gestaltung des Neptunbrunnens beauftragt wurden, finden sich auf Adolf Hitlers Liste der „gottbegnadeten“ Künstler.

Michaela Melián hat die fragwürdige Neptunfigur mit einer Mesh-Plane temporär verhüllt. Das Material der Folie ist bekannt von Baustellen – diese aber ist bedruckt mit der Abbildung einer Arbeit der Künstlerin Maria Luiko aus dem Jahr 1938 mit dem Titel „Trauernde“. Die Münchner Künstlerin wurde im November 1941 mit fast 1000 weiteren als Jude verfolgten Personen von der SS nach Kaunas deportiert und dort fünf Tage später ermordet. Die Verhüllung mit dem Motiv einer anonymen trauernden Frau ist eine aussagekräftige Gegenantwort auf die Herrscherpose des kraftstrotzenden männlichen Neptunkörpers.

Steinbrener / Dempf & Huber

Victory Spikes

Victory Spikes, 2022 © Foto: Steinbrener / Dempf & Huber

21. Sep — 19. Nov 22

Siegestor, 80539 München (Karte ➚)

Jeder kennt Taubenspikes, ein Vogel-Abwehr-Instrument, das auf etlichen denkmalgeschützten Gebäuden zu finden ist. Die Installation des Wiener Künstlerkollektivs Steinbrener / Dempf & Huber versah die oberen Plateaus des Siegestors mit dieser Vorrichtung. Allerdings maßen die Spikes der gewohnten 10 Zentimeter hier 3,5 Meter.

Spätestens seit dem Entwurf von Pablo Picasso für den Weltfriedenskongress 1949 ist die Taube zum Friedenssymbol schlechthin geworden. Mit den übergroßen Taubenspikes geriet für die Betrachter*innen die assoziierte Taube zu einem gigantischen Wesen.

Das mehrdeutige Denkmal – ursprünglich Kriegerdenkmal, dann zum Frieden mahnend – wurde hier im Angesicht eines Krieges aktualisiert.

Steinbrener / Dempf & Huber ließen dabei mit voller Absicht offen, ob mit der imaginierten Abwehr einer übergroßen Taube die Friedensbewegung oder die allgemeine Aufrüstung in Europa thematisiert wird.

Department für öffentliche Erscheinungen

past monument: Herabsetzung als Kunst – eine Analyse

Eine Unterführung, an den Wänden verschiedene Plakate, das Plakat in der Mitte zeigt ein Reiterstandbild, Ross und Reiter stehen jedoch links und rechts neben dem Sockelpast monument: Herabsetzung als Kunst – eine Analyse, 2022 © Foto: Department für öffentliche Erscheinungen

9. Sep — 10. Nov 22

Plakatflächen im Stadtraum (Karte ➚)

Das Münchner Künstler*innenkollektiv Department für öffentliche Erscheinungen modifizierte das Reiterstandbild von Otto I. von Wittelsbach vor der bayerischen Staatskanzlei. Es setzte den Mann von seinem Pferd und das Pferd von seinem Sockel.

Am Beispiel von Otto I. von Wittelsbach vollzog das Department exemplarisch die Zergliederung einer tradierten Form von Denkmal und gestaltete eine Collage, die auf Plakaten im Stadtraum zu sehen war.

Diese Intervention eröffnete durch ihren exemplarischen Charakter einen Diskussionsprozess, bot Anknüpfungspunkte für Kommunikation und Auseinandersetzung und befragte die Wirkmacht der Erhöhung als kultische Strategie der Würdigung und Verehrung.

XRE (Extended Reality Ensemble, New York) und denkFEmale (München)

#MakeUsVisible x denkFEmale

AR Monument „Ada Lovelace The Thinker“ von Jo Ngo an der TU München, 2022 © Foto: Anne Wichmann

30. Sep — 31. Okt 22

Stadtraum München (Karte ➚)

Mehr als 90 Prozent der Statuen in München porträtieren Männer. Gut die Hälfte der Menschen unserer Gesellschaft identifizieren sich aber nicht als männlich. Warum fehlt die Geschlechtervielfalt noch immer in unserem öffentlichen Raum?

Das Event #MakeUsVisible x denkFEmale verwendete Augmented Reality (AR) um digitale Monumente von Frauen und nicht-binären Personen den physischen männlichen Skulpturen der Stadt gegenüberzustellen.

Die Besucher*innen der kostenlosen Ausstellung konnten 31 AR Monumente mit ihren Smartphones über einen Webbrowser sichtbar machen und so auch selbst eine neue Balance in der Skulpturenlandschaft schaffen. Die Zuschauer*innen fanden die Skulpturen-Paarungen bzw. die Plätze der AR Monumente online auf einer interaktiven Landkarte Münchens und über Schilder mit QR-Codes neben den physischen Statuen.

Forum und Begleitprogramm

Past Statements – Present Futures

7. — 9. Okt 22

Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München (Karte ➚)

Im Oktober 2022 veranstalteten das Haus der Kunst, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und Freispiel Kulturagentur ein mehrtägiges Forum mit dem Titel „Past Statements – Present Futures“. Die Panels wurden zusammengestellt von Cana Bilir-Meier & Saboura Naqshband, Romi Crawford und Nadja Ofuatey-Alazard sowie von Emma Enderby, Damian Lentini und Andrea Lissoni (Haus der Kunst).

Offenes Gesprächsforum

Der Pasinger Bismarck-Brunnen in der Diskussion

24. Jun 22

Rathaussaal des Pasinger Rathauses (Karte ➚)

Seit 1914 steht im Münchner Stadtteil Pasing auf dem heutigen Wensauerplatz ein Bismarck-Brunnen. Der zu Lebzeiten umstrittene erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, wurde nach seinem Tod 1898 im ganzen Reich mit Denkmälern, Gedenktafeln und Türmen zu einem nationalistischen Vorbild überhöht. Der Pasinger Brunnen zeigt Bismarck als Held inszeniert mit Brustpanzer, Helm und Schwert auf einem aufsteigenden Pferd. Die Figur ist mit 60 cm ungewöhnlich klein und geht auf ein Modell zurück, das der Künstler für ein Bismarck-Denkmal in Nürnberg angefertigt hatte.

Heute steht Otto von Bismarck in der öffentlichen Kritik für seine repressive Politik als Reichskanzler, seine antisemitischen Äußerungen und seine Rolle im Kolonialismus. Zu seinen Ehren errichtete Denkmäler werden in vielen Städten intensiv diskutiert. Auch in Pasing ist bereits eine Debatte entstanden: Wie wollen wir als demokratische Stadtgesellschaft mit dem Gedenkbrunnen umgehen?

Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Bezirksausschuss 21 Pasing-Obermenzing luden alle Interessierten zu einem offenen Gesprächsforum ein.

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