past statements

verschiedene Künstler*innen

1. Aug — 30. Nov 22

Stadtraum München

Memory

Memory: Erinnerungskultur im Stadtraum © Foto: Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Ergebnisse des Kunstwettbewerbs im öffentlichen Raum zur Auseinandersetzung mit diskussionswürdigen Denkmälern

Das Projekt

Denkmäler tragen Botschaften, die bis heute Bedeutung haben, oder sie transportieren bisweilen Inhalte, die längst überholt sind oder bewußt abgelehnt werden: Sie verherrlichen Krieg und Gewalt, feiern Helden vergangener Zeiten, transportieren Vorurteile und grenzen aus. Sie sind fragwürdig geworden.

Mit der Reihe “past statements. Denkmäler in der Diskussion” knüpft München an die internationale und lokale Diskussion um diskussionswürdige Denkmäler an und regt kritische, vielstimmige und kreative Debatten über Formen und Inhalte des Erinnerns in einer diversen und demokratischen Stadtgesellschaft an. Das Programm ist eine Kooperation zwischen Public Art München und dem Institut für Stadtgeschichte und Erinnerungskultur am Kulturreferat. Es umfaßt dezentrale Veranstaltungen an einzelnen umstrittenen Orten, eine stadtweite Ausschreibung für künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum und ein internationales Symposium im Oktober 2022.

Der Kunstwettbewerb

Das Kulturreferat lud Künstler*innen aus München dazu ein, sich im Rahmen dieses Wettbewerbs in Form von temporären Projekten kritisch-künstlerisch mit problematischen Erinnerungsorten auseinanderzusetzen. Aus einer Vielzahl an Bewerbungen hat eine interdisziplinär besetzte Jury folgende Projekte ausgewählt:

1. Michaela Melián: o.T.

Die Künstlerin plant die Verhüllung des in der NS-Zeit erbauten Neptunbrunnens im Alten Botanischen Garten. Mesh-Folie trägt ein Bild der durch das NS-Regime verfolgten Künstlerin Maria Luiko.

Der Neptunbrunnen wurde 1937 gebaut, um einen von nationalsozialistischer Ideologie geprägten Ort mit Anschluß an das NS-Parteienviertel zu erschaffen. Der Bildhauer Joseph Wackerle und der Architekt Oswald Bieber, die für die Gestaltung des Neptunbrunnens beauftragt wurden, finden sich auf Adolf Hitlers Liste der „Gottbegnadeten“ Künstler.

Michaela Melián wird die fragwürdige Neptunfigur mit einer Mesh-Plane temporär verhüllen. Das Material der Folie ist bekannt von Baustellen – diese aber ist bedruckt mit der Abbildung einer Arbeit der Künstlerin Maria Luiko aus dem Jahr 1938 mit dem Titel „Trauernde“. Die Münchner Künstlerin wurde im November 1941 mit fast 1000 weiteren als Juden verfolgten Personen von der SS nach Kaunas deportiert und dort fünf Tage später ermordet. Die Verhüllung mit dem Motiv einer anonymen trauernden Frau ist eine aussagekräftige Gegenantwort auf die Herrscherpose des kraftstrotzenden männlichen Neptunkörpers.

Geplanter Zeitraum: Anfang September bis Ende November 2022

2. CAMBIO: „Nächster Halt: Decolonize! Vom „Denkmal“ zum „Denk mal“

Das Kollektiv CAMBIO macht die Diskussionen um den Namenspatron des Kolumbusplatzes und koloniale Erinnerungskultur im öffentlichen Raum Münchens sichtbar. Der überdimensionierte Schriftzug „#Decolonize“ wird auf dem Kolumbusplatz zu sehen sein. Jeweils zwei Buchstaben des Wortes sollen von einem*r Münchner Künstler*in in Szene gesetzt werden. Grüne Säulen – in Analogie zum Erscheinungsbild des U-Bahnhofes – informieren über die Namensgebung, die kritischen kolonialen Bezüge und die damit verbundene Diskussion. Die Installation trägt so die Debatte, wie wir mit der Ehrung von Akteur*innen der Kolonialgeschichte umgehen, in den öffentlichen Raum.

CAMBIO ist ein Münchner Kollektiv, das sich für die Aufarbeitung von kolonialen Kontinuitäten im öffentlichen Raum einsetzt. Das Kollektiv wurde im Sommer 2020 gegründet, seitdem arbeiten sie in Kooperation mit verschiedenen Organisationen und Kollektiven zusammen, die sich rassismuskritisch und/oder dekolonial engagieren.

Geplanter Zeitraum: 1. August – 15. Oktober 2022

3. Department für öffentliche Erscheinungen: „past monument: temporäre Herabsetzung als Kunst – eine Analyse“

Das Künstlerkollektiv Department für öffentliche Erscheinungen setzt sich mit der Reiterstatue Ottos I. von Wittelsbach vor der Staatskanzlei auseinander. Wie eine Kulisse wird die Reiterstatue im Hofgarten in zweidimensionaler Form nachgebaut, vor dem Kriegerdenkmal im Hofgarten, dem eigentlichen Reiterstandbild und der Staatskanzlei. Wir sehen aber nicht das vertraute Bild des Herzogs von Bayern, sondern eine Trennung von Pferd, Reiter und Sockel. Es mutet surreal an, den Herzog ohne Pferd in Reiterhaltung balancieren zu sehen. Das Künstlerkollektiv zerlegt eine klassische Machtrepräsentation in seine Einzelteile – ohne das tatsächliche Denkmal anzutasten. Eine symbolische Auseinandersetzung mit vordemokratischer Vorstellung von Staatsmacht, die überdies dazu einlädt, sich kritisch mit der Denkmalslandschaft der Umgebung zu beschäftigen. Sie sensibilisiert auch unseren Blick auf Denkmäler, deren Mechanismen im alltäglichen Anblick selten bewusst sind.

Geplanter Zeitraum: 15. September – 15. November 2022

4. Michele Bernardi: „Ein Ort für ein Wort. Ein Wort für einen Ort (Ein Zeitzeichen)“

Der in München und Südtirol lebende Künstler Michele Bernardi befaßt sich mit drei Hakenkreuzen, die in den Fenstern des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie an der Oettingenstraße zu sehen sind. In einer künstlerischen Installation plant er, diese Relikte mit den Worten „gestern“, „heute“ und „morgen“ zu versehen. Eine subtile Auseinandersetzung damit, wie wir uns zu den propagandistischen Setzungen der Vergangenheit stellen – und unsere heutigen Werte sichtbar machen.

Geplanter Zeitraum: Wird noch bekannt gegeben.

Weitere Informationen in Kürze hier.