Flussabwärts denken

Stefanie Zoche & Claus Biegert

11. / 16. / 30. JUL 26

Isarauen

Abendstimmung an der Isar, Menschen betrachten einen Film auf einer mobilen Videoplattform.

Flussabwärts denken, 2026 © Foto: Stefanie Zoche (Fotomontage)

Drei interdisziplinäre Performances am Ufer der Isar zu den Rechten der Natur: Eine Videoskulptur wird mobile Bühne für Literatur, Wissenschaft, Journalismus und Musik.

„Flussabwärts denken“ findet an drei Abenden im Juli statt, betitelt „Quelle“, „Ufer“, „Mündung“. Auf dem Videomobil, einem umgebauten Autoanhänger, werden Filme von Stefanie Zoche gezeigt. Eingeladene Gäste aus Literatur, Wissenschaft und Recht werden vor dieser mobilen Bühne in performativen Collagen „flussabwärts denken“: Sie hinterfragen die Konsequenzen unseres Handelns auf Flüsse. Früher haben Flüsse uns versorgt und entsorgt. Sie waren die Adern der Landschaften und Gedärme der Siedlungen. Sie haben uns selbstlos gedient, doch dann kam eine Epoche, da man sie zum Dienen gezwungen hat – ein Ende dieser Epoche ist noch lange nicht in Sicht.

Musik: Sebi Tramontana und Evi Keglmaier

Stefanie Zoche, geboren in München, lebt und arbeitet dort.
Claus Biegert, geboren in Murnau, lebt und arbeitet in Uffing am Staffelsee.

 

Programm

Samstag, 11. Juli, 20 Uhr
Der Schriftsteller Ilija Trojanow und die Journalistin Kathrin Hartmann treffen sich zu einem Dialog über Quellen. Jedes Rinnsal hat eine Quelle, auch jede Information. Quellen können vergiftet sein und Informationen falsch. Die Quellen unseres Wissens werden im Zeitalter der KI immer verschwommener. Und die Rohstoffquellen unseres Wohlstands sind nicht unerschöpflich, auch wenn das Konzept des grenzenlosen Wachstums dies suggeriert. Das Lieferkettengesetz – von rechts permanent attackiert – wurde geschaffen, um den Weg zur Quelle zu weisen. Der Blick zurück zu den Quellen ist unersetzlich, wenn wir Verantwortung flussabwärts übernehmen wollen.

Rotsteinufer, nordöstlich des Flauchers, Google Maps Link

Donnerstag, 16. Juli, 20 Uhr
Das Ufer ist Inbegriff von Vielfalt, Resonanzraum der Begegnung. Ufer verkünden uns die Gegenwart von Wasser. Ohne Ufer kein Land, kein Fluss ohne Ufer. Das Ufer ist ein spezifisches Ökosystem, eine bedrohte Region, eine vernachlässigte Zone. Welche Narrative versperren uns die Sicht auf unbekannte Ufer? Und wie entstand überhaupt der fruchtbare Boden, der uns ernährt? Mit diesen Fragen betreten Anita Idel und Torsten Schäfer die Szene. Sie, Agrarexpertin und Mediatorin zwischen Wasser, Boden, Mensch und Tier, spricht über Koevolution zwischen großen Grasfressern und Gräsern sowie über die Bedeutung der Mikroorganismen im Speichel der Kuh für die Humusbildung; er, Wildnispädagoge und Professor für Journalismus, erzählt vom Waldbewohner Lachs und Flüssen als lebendigen Wesen.

südlich der Braunauer Eisenbahnbrücke, Google Maps Link

Donnerstag, 30. Juli, 20 Uhr
Die Mündung ist unserem Umgang mit der Dimension der Zeit gewidmet. Hier begegnen wir dem Schriftsteller Gert Heidenreich, der in seiner Liebeserklärung an Frau Atlantik auf die Ewigkeitsgifte trifft, die unsere Industriegesellschaft flussabwärts den Meeren überlässt. Heidenreich stellt unsere Zeitauffassung dem Sieben-Generationen-Prinzip der Irokesen gegenüber: Was immer wir heute tun, es darf das Wohlergehen der kommenden sieben Generationen nicht gefährden. Bei dem Umgang mit Atommüll hat unsere Zivilisation sich ein anmaßendes Zeitmaß geschaffen: hier geht es um Millionen von Jahren, man könnte von einer Plutonium-Ära sprechen, einem Seitenarm des Anthropozän. Die Kulturanthropologin Jenny Garcia Ruales aus Ecuador wird uns die Verfassungsänderung ihres Heimatlandes erläutern. Ecuador sprach 2008 der Natur oder Pachamama in seiner Verfassung eigene Rechte zu. Pacha bezeichnet einen Kosmos, der sowohl Zeit als auch Raum einschließt, und erfasst die Verantwortung von uns Erdbewohner*innen, ähnlich dem Konzept der Irokesen.

nördlich der Braunauer Eisenbahnbrücke, Google Maps Link 

 

Abendstimmung an der Isar, Menschen betrachten einen Film auf einer mobilen Videoplattform.
Flussabwärts denken, 2026 © Foto: Stefanie Zoche (Fotomontage)