Die Videoinstallation „Pitch Invaders“ zeigt selten gesehene Archivaufnahmen der FIFA und der Bundesliga. Das Material wurde von Spielkameras aufgezeichnet, aber fast nie in Live-Übertragungen gezeigt und dokumentiert politisch motivierte Platzstürme (Pitch Invasions) von 1960 bis heute. Die ausgewählten Videos konzentrieren sich sowohl auf die Eindringlinge als auch auf die Unterbrechung des Spiels und halten die Reaktionen von Fußballspieler*innen, Trainer*innen, Sicherheitskräften im Stadion und Zuschauer*innen fest.
Im heutigen Fußball werden wichtige Spiele von Dutzenden Kameras gefilmt, deren Bilder in Echtzeit von den Spielleiter*innen gestaltet werden. Ein Teil des ungenutzten Materials wird später für Wiederholungen, zur Überprüfung von Fouls oder Toren oder sogar als Beweismaterial in Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Platzstürmen verwendet. Im Laufe der Jahre wurden die Fernsehsender angewiesen, Platzstürmer nicht zu zeigen. Sie setzten Techniken wie Weitwinkelaufnahmen oder Schnitte zu Trainern an der Seitenlinie ein und wählten die Kamerawinkel sorgfältig aus, um die Sichtbarkeit der Eindringlinge zu minimieren. Mit zunehmendem kommerziellen Druck entstehen jedoch auch parallele Formen von Zensur, wie beispielsweise das Verbot für Spieler, bei Torjubel ihre Trikots auszuziehen, um sicherzustellen, dass die Sponsorenlogos immer sichtbar sind.
Anhand von Filmmaterial aus den Jahren 1974 bis heute beleuchtet „Pitch Invaders” aktivistische Interventionen gegen homophobe Gesetze, willkürliche Polizeigewalt, Femizide und Umweltzerstörung. Zu den vorgestellten Aktivist*innen gehören Pussy Riot, Bernardo Franco und mehrere weniger bekannte Persönlichkeiten, was die Vielfalt und Bandbreite der Proteste innerhalb und außerhalb des Fußballs unterstreicht.
Sofia Dona, geboren 1981, lebt und arbeitet in Athen und München.